
Nina Simone 1964 in Carnegie Hall. © The New York Times
Mississippi Goddam
BUT THAT’S JUST THE TROUBLE
TOO SLOW
DESEGREGATION
TOO SLOW
NINA SIMONE, 1964, Carnegie Hall
NYT Newsletter vom 4. Juli 2026 über einen Artikel von Wesley Morris

Nina Simone 1964 in Carnegie Hall. © The New York Times
BUT THAT’S JUST THE TROUBLE
TOO SLOW
DESEGREGATION
TOO SLOW
NINA SIMONE, 1964, Carnegie Hall
NYT Newsletter vom 4. Juli 2026 über einen Artikel von Wesley Morris

P 203
Er hatte verstanden, dass man als älterer Mensch mit jedem Tag ein Stück weiter hinauswandert aus dieser Welt, also täglich Nichtzugehörigkeit zu spüren bekommt und irgendwie positiv adaptieren muss, um darüber nicht bitter zu werden. Viele kleine Tode als Vorlauf zum wirklichen Sterben. Und er war klug genug, um diese Einsicht nicht in eine Anklage der Enkelgeneration zu verwandeln. Das ist eure Zeit und nicht mehr meine. Früher war nicht alles besser, aber früher war alles anders.
Jürgen Wiebicke: Sieben Heringe
Meine Mutter, das Schweigen der Kriegskinder und das Sprechen vor dem Sterben
© 2026 Kiepenheuer & Witsch
P 83
Mein Vater hat gesagt, es genüge, entweder religiös oder streng zu sein – beides zusammen sei der Gipfel an Ekelhaftigkeit.

»Und Gottesfurcht? Warum? Meinetwegen Gottvertrauen. Aber lieber soll mein Kind Streichholzschachteln oder Likörgläser anbeten, als Angst vor Gott haben. Alles Unheil der Welt beginnt mit der Angst. Ich sehe nicht ein, warum Menschen sich Gott als einen modernen Diktator vorstellen müssen, der die Leute mit Maulkörben und Handschellen im Kreis herumlaufen läßt. Der ganze Dreck in Deutschland konnte nur entstehen, weil man die Menschen dort seit ewigen Zeiten in Angst gehalten hat.
Kaum daß ein Kind geboren wird, soll es auch schon Angst vor Vater und Mutter haben. Dann muß es auch noch Vater und Mutter ehren. Wozu? Entweder man liebt seine Eltern, dann ehrt man sie so wieso, oder man liebt sie nicht, dann können die Eltern mit der ganzen Ehre verdammt wenig anfangen. – Also zuerst verlangt der Vater, daß sein Kind Angst gehabt hat. Dann kommt die Angst in der Schule vor dem Lehrer, die Angst in der Kirche vorm lieben Gott, die Angst vor militärischen oder anderen Vorgesetzten, die Angst vor der Polizei, die Angst vorm Leben, die Angst vorm Tod. Schließlich ist ein Volk so versklavt und verkrüppelt durch Angst, daß es sich eine Regierung wählt, unter der es in Angst dienen kann. Und nicht genug damit: wenn es dann andere Völker sieht, die nicht darauf versessen sind, in Angst zu leben, ärgert es sich und sucht nun seinerseits, ihnen Angst zu machen.
Zuerst haben sie Gott zu einer Art Diktator gemacht, jetzt brauchen sie ihn nicht mehr, weil sie einen besseren Diktator haben.«
Irmgard Keun: Kind aller Länder
Originalausgabe Copyright © 1938, Amsterdam, Neuausgabe © 1950 by Droste Verlag und Druckerei K G., Düsseldorf, Lizenzausgabe für die Büchergilde Gutenberg © 1981 by claassen Verlag GmbH, Düsseldorf

P 60
Heimat ist da, wo die eigenen Kinder groß werden.
Jürgen Wiebicke: Sieben Heringe
Meine Mutter, das Schweigen der Kriegskinder und das Sprechen vor dem Sterben
© 2026 Kiepenheuer & Witsch

P 33
Ein Krieg bricht nicht einfach so aus, er lebt von mentalen Voraussetzungen, von der Lust an der Aggression, von der Bereitschaft zu hassen. Und vom Vergessen.
Jürgen Wiebicke: Sieben Heringe
Meine Mutter, das Schweigen der Kriegskinder und das Sprechen vor dem Sterben
© 2026 Kiepenheuer & Witsch
P 86
Darum konnte mein Vater Weihnachten nie richtig leiden. Er singt auch nicht gern.

Darüber hat sich mal die Dame mit dem Vogelnest gewundert und gesagt: »Wo man singt, da laß dich ruhig nieder – böse Menschen haben keine Lieder.«
Da hat mein Vater zu mir gesagt, genau da solle ich mich nie niederlassen, denn wo gesungen würde, bestehe Lebensgefahr. Gemeinsamer Gesang sei fast schon ein halber Mord, jeder Krieg fange mit Gesang an.
Irmgard Keun: Kind aller Länder
Originalausgabe Copyright © 1938, Amsterdam, Neuausgabe © 1950 by Droste Verlag und Druckerei K G., Düsseldorf, Lizenzausgabe für die Büchergilde Gutenberg © 1981 by claassen Verlag GmbH, Düsseldorf

Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.
Friedrich Nietzsche
eKGWB/JGB-146 — Jenseits von Gut und Böse: § 146. Erste Veröff. 04/08/1886.

Seite 111
But that is the way we are made; we don’t reason, where we feel; we just feel.
A YANKEE AT THE COURT OF KING ARTHUR by Mark Twain
(Samuel L. Clemens)
Copyright © 1905, London, Chatto & Windus

Page 119
Things which I didn’t mind at all, at first, I began to mind now-and more and more, too, all the time. The first ten or fifteen times I wanted my handkerchief I didn’t seem to care; I got along, and said never mind, it isn’t any matter, and dropped it out of my mind. But now it was different; I wanted it all the time; it was nag, nag, nag, right along, and no rest; I couldn’t get it out of my mind; and so at last I lost my temper and said hang a man that would make a suit of armour without any pockets in it. You see I had my handkerchief in my helmet; and some other things; but it was that kind of a helmet that you can’t take off by yourself. That hadn’t occurred to me when I put it there; and in fact I didn’t know it. I supposed it would be particularly convenient there.

And so now, the thought of its being there, so handy and close by, and yet not get-at-able, made it all the worse and the harder to bear. Yes, the thing that you can’t get is the thing that you want, mainly; every one has noticed that. Well, it took my mind off from everything else; took it clear off, and centred it in my helmet; and mile after mile, there it stayed, imagining the handkerchief, picturing the handkerchief; and it was bitter and aggravating to have the salt sweat keep trickling down into my eyes, and I couldn’t get at it. It seems like a little thing, on paper, but it was not a little thing at all; it was the most real kind of misery. I would not say it it it was not so. I made up my mind that I would carry along a reticule next time, let it look how it might, and people say what they would. Of course these iron dudes of the Round Table would think it was scandalous, and maybe raise Sheol about it; but as for me, give me comfort first, and style afterwards.

A YANKEE AT THE COURT OF KING ARTHUR by Mark Twain
(Samuel L. Clemens)
Copyright © 1905, London, Chatto & Windus

Seite 98
… and besides, I was afraid of a united Church; it makes a mighty power, the mightiest conceivable, and then when it by-and-by gets into selfish hands, as it is always bound to do, it means death to human liberty, and paralysis to human thought.
A YANKEE AT THE COURT OF KING ARTHUR by Mark Twain
(Samuel L. Clemens)
Copyright © 1905, London, Chatto & Windus