Two quatrains

Ah! Sun-flower! weary of time,
Who countest the steps of the sun:
Seeking after that sweet golden clime
Where the travellers journey is done.

Where the Youth pined away with desire,
And the pale Virgin shrouded in snow:
Arise from their graves and aspire,
Where my Sun-flower wishes to go.

A poem by the English poet William Blake published in 1794 as part of the Songs of Experience collection.

Fearful symmetry

Tyger Tyger, burning bright,
In the forests of the night;
What immortal hand or eye,
Could frame thy fearful symmetry?

In what distant deeps or skies,
Burnt the fire of thine eyes?
On what wings dare he aspire?
What the hand, dare seize the fire?

And what shoulder, & what art,
Could twist the sinews of thy heart?
And when thy heart began to beat,
What dread hand? & what dread feet?

What the hammer? what the chain,
In what furnace was thy brain?
What the anvil? what dread grasp,
Dare its deadly terrors clasp!

When the stars threw down their spears
And water’d heaven with their tears:
Did he smile his work to see?
Did he who made the Lamb make thee?

Tyger Tyger burning bright,
In the forests of the night:
What immortal hand or eye,
Dare frame thy fearful symmetry?

A poem by the English poet William Blake published in 1794 as part of the Songs of Experience collection.

Die Wanderratten

„Es gibt zwei Arten von Ratten:
Die hungrigen und die satten.
Die satten bleiben vergnügt zu Haus,
Die hungrigen aber wandern aus.
Sie wandern viel tausend Meilen,
ganz ohne Rasten und Weilen,
Gradaus in ihrem grimmigen Lauf,
Nicht Wind noch Wetter hält sie auf. Sie klimmen wohl über die Höhen,
Sie schwimmen wohl über die Seen;
Gar manche ersäuft oder bricht das Genick.
Die lebenden lassen die todten zurück.
[…]

So eine wilde Ratze,
Die fürchtet nicht Hölle, nicht Katze;
Sie hat kein Gut, sie hat kein Geld
Und wünscht aufs Neue zu theilen die Welt.

Die Wanderratten, o wehe!
Sie sind schon in der Nähe.
Sie rücken heran, ich höre schon
Ihr Pfeifen, die Zahl ist Legion.

O wehe! wir sind verloren,
Sie sind schon vor den Thoren!
Der Bürgermeister und Senat,
Sie schütteln die Köpfe, und Keiner weiß Rath.

Die Bürgerschaft greift zu den Waffen,
Die Glocken läuten die Pfaffen.
Gefährdet ist das Palladium
Des sittlichen Staats, das Eigenthum.

Nicht Glockengeläute, nicht Pfaffengebete,
Nicht hochwohlweise Staatsdekrete,
auch nicht Kanonen, viel Hundertpfünder,
Sie helfen euch heute, ihr lieben Kinder!

Heut helfen auch nicht die Wortgespinste
der abgelebten Redekünste,
Man fängt nicht Ratten mit Syllogismen,
Sie springen über die feinsten Sophismen.

Im hungrigen Magen Eingang finden
Nur Suppenlogik mit Knödelgründen,
Nur Argumente von Rinderbraten,
begleitet mit Göttinger Wurst-Citaten.

ein schweigender Stockfisch, in Butter gesotten,
Behaget den radikalen Rotten
Viel besser, als ein Mirabeau
Und alle Redner seit Cicero.“

Heinrich Heine

Ruhe

“ [ … ] Von den Bergen weht ein feuchter Fallwind mir vorüber, jenseits blicken blaue Himmelsinseln auf andere Länder nieder. Unter jenen Himmeln werde ich oftmals glücklich sein, oft auch Heimweh haben. Der vollkommene Mensch meiner Art, der reine Wanderer, müßte das Heimweh nicht kennen. Ich kenne es, ich bin nicht vollkommen, und ich strebe auch nicht es zu sein. Ich will mein Heimweh kosten wie ich meine Freuden koste. [ … ] „

Hermann Hesse: Wanderung

Nichts Epischeres

havanna

Schon 1837 protestierte Ralph Waldo Emerson gegen die Propheten der Resignation: „Es ist eine böswillige Vorstellung, die besagt, wir wären zu spät in die Natur gekommen; die Welt sei seit langer Zeit fertig.“ Die Welt ist noch nicht fertig. Es fehlen noch fünf Milliarden Jahre, mindestens. Deswegen regen mich die auf, die behaupten, alle Geschichten seien schon erzählt, und die damit jede Schöpfung zur reinen Wiederholung von etwas verdammen, das ein anderer schon früher und besser gemacht hat, oder als reine Arbeit zwischen den Zeilen, mit den Resten seines Festmahles. Es ist ein so reaktionärer Gedanke, als behaupte man, alle Leben seien bereits gelebt, was uns zu Secondhand-Menschen machen würde, zu Imitatoren geliehener Leben, und das nimmt uns unseren Wert und unsere Hoffnung und macht unsere Leidenschaften sinnlos.

aus „Kamtschatka“ von Marcelo Figueras, © 2006 Nagel & Kimche, ISBN 978-3-423-13672-3

Der Weg zu Swann

2015-01-02-keepondrivingWahrhaftig: der Swann, den zur gleichen Zeit so viele Klubgrößen kannten, war sehr verschieden von dem, den Großtante erschuf, wenn abends in dem kleinen Combrayer Garten die beiden zaghaften Klingelzeichen ertönten und sie nun mit allem, was sie über die Familie Swann wußte, dem dunklen schattenhaften Individuum Substanz und Leben einflößte, das da, gefolgt von Großmutter, einem Meer von Finsternis enttauchte und das man an der Stimme erkannte.

Marcel Proust:
Auf den Spuren der verlorenen Zeit
Der Weg zu Swann
Übertragen von Rudolf Schottlaender