Two quatrains

Ah! Sun-flower! weary of time,
Who countest the steps of the sun:
Seeking after that sweet golden clime
Where the travellers journey is done.

Where the Youth pined away with desire,
And the pale Virgin shrouded in snow:
Arise from their graves and aspire,
Where my Sun-flower wishes to go.

A poem by the English poet William Blake published in 1794 as part of the Songs of Experience collection.

Die Tigerin

„Drei Männer waren ihretwegen ins Gefängnis gekommen, zwei hatten sich ihretwegen erschossen und der unzählige Rest ihrer Liebhaber, die sie alle nach wenigen Nächten abgeschüttelt hatte, ohne von Beschwörungen oder Drohungen sich imponieren zu lassen, wäre ausnahmslos auf das kleinste Zeichen hin, zu allem bereit, zu ihr zurückgekehrt.“

Walter Serner: Die Tigerin, erschienen bei Rogner & Bernhard

Gewaltig

„Stundenlang irrte ich ohne Plan umher. Scheu wich ich allen Wegen aus, stahl mich über Felder, duckte mich an den wenigen Höfen vorbei, schnupperte jeden Augenblick die Luft ab nach Geräuschen, die meine gereizten Sinne mir vortäuschten, bis ich zerbrochen, mehr noch von der Spannung als von der Müdigkeit, wie ein gehetztes Tier in einem Holzschlag zum Schlafe niedersank.
Doch der morgendliche Frost trieb mich nach wenigen Stunden wieder auf.
[…]
Mit so viel Geschick den Gast über die Peinlichkeit hinüberzuführen, die Abhängigkeit von fremder Hilfe unvermeidlich entstehen läßt, weiß doch nur, wer selbst einmal auf Gastlichkeit angewiesen war, sagte ich mir.“

Artur Rosenberg: Menschen auf der Straße, Juni – Juli 1940 in Frankreich, erschienen 1946 Wiener Verlag

Figiakasta

„Mittelländisches Meer, leuchtende Wiege alles Rechten und Schönen, das uns noch tröstet, von Wein und Feigen umfangen!

Wein und Feigen. Er musste lächeln. Ihm fiel ein, was er vor Zeiten einmal gelesen hatte: daß jetzt noch in einigen Sprachen des Nordens aus normannischer Südzeit ein Wort fortbestehe, das vom Verlangen nach Feigen sprach: figiakasta, daß aber die Isländer, die es im Munde führen, seinen früheren Sinn nicht mehr kennen und jede Art von Sehnsucht damit meinen. Ja, hier war alle Sehnsucht gestillt. Hier war man am Ziel. Hier gesundete das Herz von aller Wirrnis, von aller Dumpfheit, die über dem gequälten Erdteil lag, von aller unsaubern, stickigen Schwärmerei, von allen Pulverdünsten und Kirchendünsten, die in der Heimat unter dem bleiernem Himmel das Atmen erschwerten. […] Hierher drang kein Erlösungsschrei vom tausendjährigem Reich […]

Bruno Frank in Sanary-sur-Mer, 1934. Fotografiert von Walter Bondy. This work is in the public domain in its country of origin and other countries and areas where the copyright term is the author's life plus 70 years or less.

Heimkehren also wieder in diesen Braukessel trüb schäumender Böswilligkeit, der sich deutsche Politik nannte, langsam sich wieder mitdrehen im übel gemischten Brei; bei öffentlichen Tagungen die abgestandenen Phrasenreste beschwingterer Vorzeiten schmecken müssen, hinter verschlossenen Türen aber das ängstliche Gezänk von Philistern, die an ihren nächsten schäbigen Vorteil denken. […]

Und um einen das Volk, […] so unkund seiner selbst, so kindisch, daß es jedem schielenden Schmeichler anheim fiel. Nichts ließ es sich in seiner Unsicherheit lieber bezeugen, als daß es allein das Volk aller Völker sei, ausersehen unter den Nationen, umringt von Pfauen und Tigern ganz allein treu, rein, tapfer, fromm, wahrheitsmutig und seelengroß. So weit ging sein Hang zu romantischer Selbstbetäubung, daß ihm jeder recht war, der mit einem Schwall herkömmlich dunstigen Geredes sich selber als Heiland und Symbol der Volkstugenden empfahl: […] wenn er bloß […] seinen Riesenladen mit nationalfrommen Spruchtafeln austapezierte. […] Ach, wer sollte Lust haben zur Rückkehr! Wer sollte nicht wünschen, das alles dort zu vergessen […] .“

Bruno Frank: Politische Novelle, 1928 im Ernst Rowohlt Verlag

figiakasta

„Sismondi erzählt, daß sich seit jenen Tagen in der isländischen Sprache, der altskandinavischen Mundart, noch das Wort «figiakasta» erhalten habe, das heißt nach Feigen Lust haben, eine bildliche Redeweise für den Begriff einer heftigen Sehnsucht überhaupt.“

Ferdinand Gregorovius: Wanderjahre in Italien – Kapitel 88 – first published in 1856 – http://gutenberg.spiegel.de/buch/wanderjahre-in-italien-2409/88

„(2) Les fruits du Midi excitoient les desirs ardens des Septentrionaux. C’étoit en vantant leur saveur, que l’on attiroit les Varangiens du fond de la Scandinavie à Constantinople, pour y former la garde des empereurs; et dans la langue islandoise, parlée autrefois par tout le Scandinaves, on dit encore aujourd’hui figiakasta, désirer des figues, pour dire, désirer quelque chose avec passion. Bonstetten

Histoire des Républiques italiennes du Moyen Âge, Band 1
von Jean-Charles-Léonard Simonde de Sismondi
Quelle: https://books.google.de